Eine Hirnschädigung verändert nicht nur Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Belastbarkeit. Sie kann auch das eigene Selbstbild erschüttern. Viele Betroffene erleben sich nach einem Schlaganfall, einer Hirnverletzung, einer Hirnblutung oder einer anderen neurologischen Erkrankung nicht mehr wie früher. Fähigkeiten, auf die sie sich verlassen konnten, stehen nicht mehr in gleicher Weise zur Verfügung. Aufgaben kosten mehr Kraft, Entscheidungen fallen schwerer und vertraute Rollen verändern sich. Ihre Identität nach der Hinrschädigung hat sich verändert. Dann entsteht häufig die Frage: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr so funktionieren kann wie früher?
Wenn das frühere Leben nicht mehr selbstverständlich ist
Vor der Hirnschädigung war eine Person vielleicht beruflich sehr belastbar, gut organisiert, spontan oder besonders selbstständig. Danach kann es schwerfallen, Gesprächen zu folgen, Termine im Blick zu behalten oder mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen. Auch eine verminderte Belastbarkeit kann das Leben stark verändern. Vielleicht gelingt ein Termin noch gut, aber danach reicht die Kraft für den restlichen Tag nicht mehr aus. Solche Veränderungen betreffen nicht nur einzelne Fähigkeiten. Sie können das gesamte Selbstverständnis beeinflussen. Viele Betroffene vergleichen sich ständig mit ihrem früheren Selbst und erleben jeden Unterschied als Verlust. Gedanken wie „Früher konnte ich das doch“ oder „Ich müsste längst wieder weiter sein“ sind häufig. Diese Reaktionen sind verständlich. Sie zeigen, wie tiefgreifend eine Hirnschädigung in das bisherige Leben eingreifen kann.
Trauer gehört zum Verarbeitungsprozess
Nach einer Hirnschädigung geht es nicht nur um Rehabilitation. Es geht häufig auch um Trauer. Betroffene trauern um frühere Fähigkeiten, berufliche Möglichkeiten, soziale Rollen oder Zukunftspläne. Manche müssen lernen, Unterstützung anzunehmen, obwohl sie früher selbst für andere da waren. Andere können ihren bisherigen Beruf nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben.Diese Verluste sind real, auch wenn sie für andere nicht immer sichtbar sind. Viele Folgen einer Hirnschädigung lassen sich von außen kaum erkennen. Eine Person kann in einem kurzen Gespräch unauffällig wirken und dennoch große Schwierigkeiten mit Gedächtnis, Reizverarbeitung oder Erschöpfung haben. Dass eine Einschränkung unsichtbar ist, bedeutet nicht, dass sie weniger belastend ist.
Neuropsychologische Therapie unterstützt bei der Neuorientierung
Neuropsychologische Therapie beschäftigt sich nicht nur mit kognitiven Funktionen. Sie unterstützt Betroffene auch dabei, die Folgen der Hirnschädigung zu verstehen und in das eigene Leben zu integrieren. Gemeinsam wird betrachtet, welche Fähigkeiten sich verändert haben, welche Stärken erhalten geblieben sind und welche Strategien im Alltag helfen können. Dabei kann es beispielsweise darum gehen, Gedächtnisprobleme zu kompensieren, die Belastbarkeit realistischer einzuschätzen oder Aufgaben besser zu strukturieren. Ebenso wichtig ist die Frage, welche persönlichen Ziele heute noch bedeutsam sind. Neuropsychologische Therapie kann helfen, den Blick nicht ausschließlich auf das zu richten, was nicht mehr möglich ist. Sie unterstützt dabei, vorhandene Fähigkeiten wiederzuentdecken und neue Wege zu entwickeln.
Akzeptanz bedeutet nicht Aufgeben
Akzeptanz bedeutet nicht, die Hirnschädigung gut finden zu müssen. Sie bedeutet auch nicht, auf Fortschritte zu verzichten. Akzeptanz kann bedeuten, die aktuelle Situation ernst zu nehmen und den Alltag an die vorhandenen Möglichkeiten anzupassen. Wer weiterhin versucht, alles genau wie früher zu bewältigen, gerät häufig immer wieder in Überforderung. In der Therapie kann deshalb ein neuer Umgang mit den eigenen Grenzen entwickelt werden. Die Frage lautet dann nicht mehr ausschließlich: Wie werde ich wieder genauso wie früher? Sondern zunehmend: Wie kann ich mit meinen heutigen Fähigkeiten ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen?
Neue Ziele dürfen anders aussehen
Nach einer Hirnschädigung müssen Lebensziele manchmal verändert oder neu entwickelt werden. Vielleicht ist eine Rückkehr in den früheren Beruf nicht möglich. Vielleicht kann ein Hobby nicht mehr in derselben Intensität ausgeübt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine neuen Ziele entstehen können. Ein wichtiges Ziel kann sein, wieder regelmäßig Freunde zu treffen, ein früheres Hobby in angepasster Form aufzunehmen oder mehr Selbstständigkeit im Alltag zu gewinnen. In der neuropsychologischen Therapie werden solche Ziele in realistische Zwischenschritte unterteilt. Dadurch werden Fortschritte sichtbar und Überforderung wird vermieden.
Selbstvertrauen entsteht durch neue Erfahrungen
Nach einer Hirnschädigung verlieren viele Betroffene das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie vermeiden neue Situationen oder haben Angst, Fehler zu machen. Selbstvertrauen kann wieder wachsen, wenn neue, positive Erfahrungen möglich werden. Vielleicht gelingt ein Weg wieder selbstständig, wenn eine schriftliche Anleitung genutzt wird. Kann eine Aufgabe mithilfe einer Checkliste bewältigt werden. Vielleicht wird eine Überforderung erstmals rechtzeitig erkannt und eine Pause eingelegt. Kompensationsstrategien sind dabei kein Zeichen von Schwäche. Sie helfen, Selbstständigkeit und Sicherheit zurückzugewinnen.
Auch Coaching kann später sinnvoll sein
Wenn eine neuropsychologische Therapie bereits abgeschlossen ist, können zu einem späteren Zeitpunkt neue Fragen entstehen. z.B. wenn sich die berufliche oder familiäre Situation verändert hat, frühere Strategien nicht mehr ausreichen oder neue Lebensziele entwickelt werden sollen. Dann kann neuropsychologisches Coaching eine sinnvolle Ergänzung sein. Im Vordergrund stehen dabei aktuelle Herausforderungen, Stressmanagement, Resilienz, Zielentwicklung und die Anpassung bestehender Strategien.
Fühlen Sie sich nach Ihrer Hirnschädigung verändert?
Erkennen Sie sich manchmal selbst nicht wieder oder fällt es Ihnen schwer, die Veränderungen in Ihrem Leben anzunehmen? In der neuropsychologischen Therapie unterstützen wir Sie dabei, die Folgen Ihrer Erkrankung oder Verletzung einzuordnen, vorhandene Stärken zu nutzen und neue Ziele zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Es geht darum, einen eigenen Weg zu finden, der die Verluste ernst nimmt und gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet.
Melden Sie sich gerne bei uns und vereinbaren Sie ein Erstgespräch: Kontakt und Standorte



